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Zwischen Exportstärke und digitalem Wandel: Qualitätsinfrastruktur wird zur Grundlage der Wettbewerbsfähigkeit

Die digitale Transformation stellt Industrie, Regulierung und internationale Märkte gleichermaßen vor neue Herausforderungen. Warum Normung, verlässliche digitale Prozesse und eine starke Qualitätsinfrastruktur dabei entscheidend sind, erklärt Matthias Marzinko von der Drägerwerk AG & Co. KGaA im Interview.

Herr Marzinko, welche Botschaft richten Sie an die Politik?

„Grundsätzlich gilt die Erkenntnis: Wer nicht normt, wird genormt. Wir sehen einen großen Vorteil darin, unser Headquarter in Deutschland zu haben und von hier aus unsere Exportorientierung weiter voranzutreiben. Deutschland verfügt über eine große Expertise in regulierten Märkten, etwa in der Medizintechnik, bei kritischen Infrastrukturen und in der Sicherheitstechnik. Dafür brauchen wir nicht nur weniger Bürokratie, sondern vor allem ineinandergreifende digitale Prozesse. Nur so können wir auf Basis einer stabilen Infrastruktur aus Deutschland heraus unsere Produkte vermarkten und sie sicher in den Märkten betreiben. Last but not least müssen wir heute die Weichen für eine nachhaltige Zukunft und dabei stets auf dem aktuellen Stand der Technik bleiben.“

Warum ist eine digitale Qualitätsinfrastruktur so wichtig?

„Wie der Begriff Infrastruktur bereits sagt, ist sie tatsächlich die Grundlage unseres Wirtschaftens. Jede Lücke, jedes Schlagloch in dieser Infrastruktur hindert uns daran, effizient zu arbeiten. Gerade im digitalen Wandel können wir uns solche Ineffizienzen nicht leisten, insbesondere dann nicht, wenn sie unsichtbar sind und nicht direkt im Wertschöpfungsprozess liegen. Deshalb sind wir auf eine stabile digitale Qualitätsinfrastruktur angewiesen, um unsere Effizienzpotenziale ausschöpfen und global vernetzt profitabel wirtschaften zu können.“

Qualitätsinfrastruktur wird oft als ‚verborgene Kraft‘ beschrieben. Warum?

„Ich glaube, aus deutscher Sicht ist vor allem das ‚Verborgene‘ daran entscheidend. Viele andere Länder und auch die globalen Akteure innerhalb der Qualitätsinfrastruktur, die sich international miteinander abstimmen, sehen die Kraft dieser Qualitätsinfrastruktur viel deutlicher. Für uns ist sie inzwischen selbstverständlich geworden. Wir leben seit vielen Jahren und Jahrzehnten mit ihr. Sie ist einfach da. Wahrscheinlich würden wir ihre Bedeutung erst dann wirklich merken, wenn sie zusammenbrechen oder fehlen würde. Deshalb ist diese Kraft verborgen: weil wir es gewohnt sind, sichere und leistungsfähige Produkte zu entwickeln und zu produzieren, die für den Weltmarkt geeignet sind. Diese verborgene Kraft trägt und stützt uns. Würde sie fehlen, würden wir das sehr schmerzhaft spüren. Andere Länder entdecken diese Stärke nun und sie entdecken sie auch bei uns. Deshalb finde ich es wichtig und richtig, dass wir aus Deutschland heraus mit anderen Ländern kooperieren, damit für alle Menschen auf unserem Planeten ein vergleichbares Niveau an Qualitätsinfrastruktur geschaffen werden kann.“